Der lange Weg in unsere Tassen

Als meine Frau und ich Ende 2017 zu unserer ersten Mittelamerika-Reise aufbrachen, waren wir bereits viele Monate lang vom letzten Kaffeetrinken entfernt. Der Grund für unsere damalige Abstinenz vom allerorts beliebten „schwarzen Muntermacher“ war einerseits unsere Erkenntnis und praktische Erfahrung , daß Kaffee den Charakter eines legalen Suchtmittels verkörpert und uns oft nicht gut tut, und zum anderen das sehr bescheidene Angebot von hochwertigem Kaffee in unserer zwischenzeitlichen Wahlheimat Ost-Kanada. So reisten wir - stolz auf unseren mühelosen Kaffeeverzicht wie die Spanier – in deren ehemalige Kolonien Costa Rica, Panama und Mexiko.

Als langjährige Gewohnheits-Kaffeetrinker in Deutschland hatten wir uns niemals tiefergehende Gedanken darüber gemacht, wo überall auf unserer Erde die Kaffeepflanzen wachsen und wie viele Geschmacksrichtungen Kaffee besitzt oder welchen Weg die Kaffeebohne durchläuft, bevor sie „verpulvert“ und in Wasser aufgelöst unsere Kaffeetassen füllt. Das änderte sich nach ein paar Wochen, beginnend in einer kleinen Kooperative in Costa Rica und dann final im Bergland von Panama, wo uns eine Mischung aus Neugierde und unwiderstehlichem Geruch zu einheimischem Kaffee und Cappuccino greifen ließ. Seither trinken wir wieder Kaffee. Nein, zutreffender ist: wir genießen ihn maximal einmal am Tag! Das folgende Foto zeigt Kaffeepflanzen im Hochland von Panama.

Mit der Zeit stießen wir hier im panamaischen Bergland auf etliche lokale Kaffee-Produzenten und begannen, uns tiefer mit dem Entstehungsprozeß des Kaffees zu beschäftigen. Wir besuchten eine Messe von einheimischen Kaffee-Erzeugern und mehrere Kaffee-Farmen rund um den höchsten Berg Panamas, den inaktiven Vulkan Baru, herum. Das beeindruckte uns sehr, da wir erlebten, daß sich der Anbau und die Produktion qualitativ hochwertigen Kaffees und ein achtsamer Umgang mit der Natur nicht ausschließen müssen. Denn im Gegensatz zu Großproduzenten wird hier keine Mono-Kultur betrieben, sondern die Kaffeepflanzen stehen und wachsen eingebettet im natürlichen oder auch wiederaufgeforsteten Urwald. Das Pflanzen, die laufende Pflege der Kaffeebäumchen sowie das Pflücken der reifen Kaffeekirschen sind Handarbeit.

Hier in den Bergen Panamas werden diverse Kaffeesorten angebaut. Während man bespielsweise die Sorte „Arabica“ auch in Deutschland kennt, kommen andere Sorten dagegen exotisch daher: „Pacamara“, Catturra“, „Mocha“ oder gar „Borbon Amarillo“, was einem normalen Kaffeetrinker wie uns nichts sagte. Und dann ist da noch die Sorte „Geisha“, welche ursprünglich aus dem Bergland Äthiopiens in Afrika kommt. Als ich das erste Mal auf einer Kaffee-Farm eine Tasse Geisha angeboten bekam und nach etwas Milch dazu fragte, erntete ich neben dem Kopfschütteln auch ein Schmunzeln. Erst später erfuhr ich, daß man diesen besonders aromatichen und mit verschiedenen Geschmacksrichtungen ausgestatteten Edel-Kaffee ohne weißen Zusatz trinkt. Die Schamröte stieg mir dann aber ins Gesicht, als ich herausfand, dass ich den teuersten Kaffee der Erde getrunken hatte und diesen aus Unwissenheit „vermilchen“ wollte: ein einziges Pfund Geisha der feinsten Geschmacksrichtung wird schon mal für gut 1.000 US-Dollar an Orten wie Singapor, Honkong, Dubai oder London verkauft!

Das obige Foto zeigt die Kaffeekirschen beim natürlichen Trocknungsprozeß durch die Sonne auf Hochgestellen, die wie lange Tischtafeln bei Familienfeiern aussehen und bei Regen schnell abgedeckt werden. Da während der Trockenzeit geerntet wird ist diese einfache Methode sehr effektiv. Neben der Qualität der Kaffeepflanzen und ihrer Pflege und Behandlung mit wenig bis keinen Chemikalien (solche werden manchmal nur bei massivem Pilzbefall von Pflanzen während der Regenzeit angewendet) kommt es vor allem auf den Prozeß der Röstung an! Diese abschließende Prozedur macht aus den weiß-grauen Bohnen dunkelbraune und entscheidet maßgeblich über den finalen Geschmack des Kaffees. Das letzte Foto in diesem kurzen Beitrag zeigt die Metamorphose der unreifen grünen Kaffeekirsche in die uns allen bekannte, durch das Rösten braun gefärbte Kaffeebohne.

Wir genießen den panamaischen Kaffee und wertschätzen seine Qualität sehr, nachdem wir seinen langen Weg als winzige Blüte am Kaffeebäumchen bis in unsere Tassen hier vor Ort verfolgten. Wir trinken ihn – egal ob schwarz, „türkisch“ oder als Cappuccino mit Pflanzenmilch – ganz bewußt, weil wir es möchten und nicht, weil wir es aus einer Abhängigkeit heraus müssen. 😊


Herzliche Grüße aus Panama sendet

Dietmar

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Der lange Weg in unsere Tassen

Als meine Frau und ich Ende 2017 zu unserer ersten Mittelamerika-Reise aufbrachen, waren wir bereits viele Monate lang vom letzten Kaffeetrinken entfernt. Der Grund für unsere damalige Abstinenz vom allerorts beliebten „schwarzen Muntermacher“ war einerseits unsere Erkenntnis und praktische Erfahrung , daß Kaffee den Charakter eines legalen Suchtmittels verkörpert und uns oft nicht gut tut, und zum anderen das sehr bescheidene Angebot von hochwertigem Kaffee in unserer zwischenzeitlichen Wahlheimat Ost-Kanada. So reisten wir - stolz auf unseren mühelosen Kaffeeverzicht wie die Spanier – in deren ehemalige Kolonien Costa Rica, Panama und Mexiko.


Als langjährige Gewohnheits-Kaffeetrinker in Deutschland hatten wir uns niemals tiefergehende Gedanken darüber gemacht, wo überall auf unserer Erde die Kaffeepflanzen wachsen und wie viele Geschmacksrichtungen Kaffee besitzt oder welchen Weg die Kaffeebohne durchläuft, bevor sie „verpulvert“ und in Wasser aufgelöst unsere Kaffeetassen füllt. Das änderte sich nach ein paar Wochen, beginnend in einer kleinen Kooperative in Costa Rica und dann final im Bergland von Panama, wo uns eine Mischung aus Neugierde und unwiderstehlichem Geruch zu einheimischem Kaffee und Cappuccino greifen ließ. Seither trinken wir wieder Kaffee. Nein, zutreffender ist: wir genießen ihn maximal einmal am Tag! Das folgende Foto zeigt Kaffeepflanzen im Hochland von Panama.

Mit der Zeit stießen wir hier im panamaischen Bergland auf etliche lokale Kaffee-Produzenten und begannen, uns tiefer mit dem Entstehungsprozeß des Kaffees zu beschäftigen. Wir besuchten eine Messe von einheimischen Kaffee-Erzeugern und mehrere Kaffee-Farmen rund um den höchsten Berg Panamas, den inaktiven Vulkan Baru, herum. Das beeindruckte uns sehr, da wir erlebten, daß sich der Anbau und die Produktion qualitativ hochwertigen Kaffees und ein achtsamer Umgang mit der Natur nicht ausschließen müssen. Denn im Gegensatz zu Großproduzenten wird hier keine Mono-Kultur betrieben, sondern die Kaffeepflanzen stehen und wachsen eingebettet im natürlichen oder auch wiederaufgeforsteten Urwald. Das Pflanzen, die laufende Pflege der Kaffeebäumchen sowie das Pflücken der reifen Kaffeekirschen sind Handarbeit.

Hier in den Bergen Panamas werden diverse Kaffeesorten angebaut. Während man bespielsweise die Sorte „Arabica“ auch in Deutschland kennt, kommen andere Sorten dagegen exotisch daher: „Pacamara“, Catturra“, „Mocha“ oder gar „Borbon Amarillo“, was einem normalen Kaffeetrinker wie uns nichts sagte. Und dann ist da noch die Sorte „Geisha“, welche ursprünglich aus dem Bergland Äthiopiens in Afrika kommt. Als ich das erste Mal auf einer Kaffee-Farm eine Tasse Geisha angeboten bekam und nach etwas Milch dazu fragte, erntete ich neben dem Kopfschütteln auch ein Schmunzeln. Erst später erfuhr ich, daß man diesen besonders aromatichen und mit verschiedenen Geschmacksrichtungen ausgestatteten Edel-Kaffee ohne weißen Zusatz trinkt. Die Schamröte stieg mir dann aber ins Gesicht, als ich herausfand, dass ich den teuersten Kaffee der Erde getrunken hatte und diesen aus Unwissenheit „vermilchen“ wollte: ein einziges Pfund Geisha der feinsten Geschmacksrichtung wird schon mal für gut 1.000 US-Dollar an Orten wie Singapor, Honkong, Dubai oder London verkauft!

Das obige Foto zeigt die Kaffeekirschen beim natürlichen Trocknungsprozeß durch die Sonne auf Hochgestellen, die wie lange Tischtafeln bei Familienfeiern aussehen und bei Regen schnell abgedeckt werden. Da während der Trockenzeit geerntet wird ist diese einfache Methode sehr effektiv. Neben der Qualität der Kaffeepflanzen und ihrer Pflege und Behandlung mit wenig bis keinen Chemikalien (solche werden manchmal nur bei massivem Pilzbefall von Pflanzen während der Regenzeit angewendet) kommt es vor allem auf den Prozeß der Röstung an! Diese abschließende Prozedur macht aus den weiß-grauen Bohnen dunkelbraune und entscheidet maßgeblich über den finalen Geschmack des Kaffees. Das letzte Foto in diesem kurzen Beitrag zeigt die Metamorphose der unreifen grünen Kaffeekirsche in die uns allen bekannte, durch das Rösten braun gefärbte Kaffeebohne.

Wir genießen den panamaischen Kaffee und wertschätzen seine Qualität sehr, nachdem wir seinen langen Weg als winzige Blüte am Kaffeebäumchen bis in unsere Tassen hier vor Ort verfolgten. Wir trinken ihn – egal ob schwarz, „türkisch“ oder als Cappuccino mit Pflanzenmilch – ganz bewußt, weil wir es möchten und nicht, weil wir es aus einer Abhängigkeit heraus müssen. 😊


Herzliche Grüße aus Panama sendet

Dietmar

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